Die niederländische Regierung hat aufgrund der rapide zunehmenden Cyberbedrohung durch künstliche Intelligenz (KI) eine Regierungswarnung für Unternehmen herausgegeben. Die AIVD, MIVD, NCSC, NCTV, die Staatsanwaltschaft, der Chief Information Officer der Zentralregierung und die Nationale Polizei fordern gemeinsam Führungskräfte und das Management auf, der Cybersicherheit jetzt Priorität einzuräumen.

Der Grund für diese außergewöhnliche gemeinsame Warnung ist klar: KI ermöglicht es, um Cyberangriffe schneller, einfacher und in viel größerem Umfang durchzuführen. Davon profitieren nicht nur professionelle Cyberkriminelle. Auch staatliche Akteure und weniger erfahrene Angreifer können KI einsetzen, um Schwachstellen zu finden, Phishing-Angriffe zu verbessern und Teile eines Cyberangriffs zu automatisieren.

Die sieben Organisationen veröffentlichten die gemeinsame Erklärung hierzu am 24. September 2026. Künstliche Intelligenz beschleunigt die Bedrohung: Jetzt handeln ist notwendig..

Sieben Regierungsorganisationen warnen gemeinsam

Das Besondere an dieser Warnung ist, dass verschiedene für nationale Sicherheit, Cybersicherheit, Ermittlungen und Nachrichtendienste zuständige Organisationen gemeinsam dieselbe Botschaft verbreiten. Sie betrifft:

Dass diese Organisationen gemeinsam Stellung beziehen, unterstreicht die Dringlichkeit. Künstliche Intelligenz verändert die Cyberbedrohungslandschaft rasant. Bestehende Schwachstellen verschwinden nicht; vielmehr ermöglicht KI deren schnellere Erkennung und effizientere Ausnutzung.

Warum macht KI Cyberangriffe gefährlicher?

Traditionell erforderte die Durchführung komplexer Cyberangriffe umfassende technische Kenntnisse. Künstliche Intelligenz senkt einen Teil dieser Hürde.

Böswillige Akteure können KI nutzen, um große Datenmengen zu analysieren, Schwachstellen zu identifizieren, Programmcode zu generieren, Phishing-Nachrichten überzeugender zu gestalten und Teile von Angriffen zu automatisieren.

Infolgedessen werden erfahrene Angreifer effizienter, während gleichzeitig weniger spezialisierte Kriminelle Zugang zu Techniken erhalten, die zuvor deutlich mehr Wissen erforderten.

Das NCSC beschreibt diese Entwicklung in der Analyse detailliert. Künstliche Intelligenz in der Cyber-Kill-Chain.

Wochen werden zu Tagen und Tage zu Stunden

Eine der wichtigsten Änderungen ist Geschwindigkeit.

Sobald eine Sicherheitslücke in weit verbreiteter Software bekannt wird und ein Sicherheitsupdate verfügbar ist, beginnt ein Wettlauf zwischen Verteidigern und Angreifern. Unternehmen müssen die Sicherheitslücke beheben, bevor sie ausgenutzt werden kann.

“Denn wenn es ums Aktualisieren geht, werden aus Wochen Tage und aus Tagen Stunden.”

Mithilfe von Automatisierung und KI können Angreifer deutlich schneller herausfinden, welche Systeme angreifbar sind. Das bedeutet, dass Organisationen, die kritische Sicherheitsupdates erst Wochen später installieren, einem zunehmend größeren Risiko ausgesetzt sind.

Ein gutes Patch-Management wird dadurch zu einem wesentlichen Bestandteil der Geschäftskontinuität.

Künstliche Intelligenz macht Phishing deutlich überzeugender.

Die Gefahr beschränkt sich nicht auf technische Schwachstellen. Generative KI kann Texte erzeugen, die sich kaum von Nachrichten unterscheiden, die tatsächlich von einem Mitarbeiter, Lieferanten oder Geschäftsführer verfasst wurden.

Darüber hinaus kann ein Angreifer öffentlich zugängliche Informationen über eine Organisation, Mitarbeiter und Geschäftsbeziehungen sammeln und diese Informationen nutzen, um Phishing und Social Engineering zu personalisieren.

Ein Mitarbeiter könnte beispielsweise eine überzeugende E-Mail erhalten, die scheinbar von einem Vorgesetzten, einem Kollegen oder einem Stammlieferanten stammt. Künstliche Intelligenz ermöglicht es, solche Nachrichten schnell und in großem Umfang zu personalisieren.

Die Entwicklung synthetischer Stimmen, Bilder und Videos macht traditionelle Indikatoren ebenfalls weniger zuverlässig. Daher reicht es nicht mehr aus, Mitarbeiter lediglich vor Rechtschreibfehlern in Phishing-E-Mails zu warnen.

Auch staatliche Akteure stellen eine Cyberbedrohung dar.

Die digitale Bedrohung geht nicht ausschließlich von Cyberkriminellen aus. Niederländische Sicherheitsdienste warnen schon lange vor digitalen Aktivitäten staatlicher Akteure.

Dies kann unter anderem Folgendes umfassen: digitale Spionage, um an geschäftssensible Informationen, geistiges Eigentum oder Zugang zu Organisationen zu gelangen, die Teil wichtiger niederländischer Lieferketten sind.

Für Unternehmen bedeutet dies, dass sie nicht nur das Risiko von Ransomware oder Finanzbetrug im Blick behalten müssen. Auch personenbezogene Daten, Forschungsergebnisse, technisches Wissen, Geschäftsprozesse und der Zugang zu Kunden oder Lieferanten können für Angreifer von Interesse sein.

Cybersicherheit ist eine Angelegenheit der Geschäftsführung und des Aufsichtsrats.

Ein wichtiger Bestandteil der Warnung der Regierung ist, dass Cybersicherheit nicht allein in der Verantwortung der IT-Abteilung liegt.

Digitale Sicherheit ist mittlerweile zu einem Thema der Geschäftskontinuität, des Risikomanagements und der Governance-Verantwortung geworden.

Führungskräfte und Aufsichtsräte sollten daher unter anderem wissen, welche Systeme für ihre Organisation kritisch sind, welche Daten unbedingt geschützt werden müssen, wie schnell kritische Sicherheitsupdates implementiert werden und welche Systeme über das Internet zugänglich sind.

Darüber hinaus muss klar sein, ob veraltete Systeme verwendet werden, ob eine Multifaktor-Authentifizierung konfiguriert ist, wie Backups geschützt und getestet werden und wer innerhalb der Organisation Entscheidungen trifft, wenn ein tatsächlicher Cybervorfall eintritt.

Was sollten Unternehmen jetzt tun?

Im Kern dreht sich die gemeinsame Botschaft der sieben Organisationen um drei Maßnahmen.

1. Stellen Sie sicher, dass die digitale Grundlage in Ordnung ist.
Verringern Sie die Angriffsfläche, ersetzen Sie veraltete Systeme, installieren Sie Sicherheitsupdates zeitnah und stellen Sie sicher, dass die Mitarbeiter über aktuelle digitale Risiken informiert sind.

2. Prüfen Sie erneut, ob die gegenwärtigen Sicherheitsvorkehrungen noch ausreichend sind.
Eine Sicherheitsrichtlinie, die vor einigen Jahren noch ausreichend war, entspricht möglicherweise nicht mehr dem aktuellen Bedrohungsniveau. Achten Sie besonders auf Patch-Management, Zugriffssicherheit, Überwachung, Datensicherung und Reaktion auf Sicherheitsvorfälle.

3. Bereiten Sie die Organisation auf einen realen Cyberangriff vor.
Warten Sie nicht, bis ein Vorfall eintritt. Stellen Sie im Vorfeld sicher, dass Verantwortlichkeiten klar definiert, Verfahren getestet und technische Experten in die Beurteilung neuer Risiken einbezogen werden.

Das Cybersecurity Act und NIS2 machen Cybersicherheit noch wichtiger.

Darüber hinaus erfolgt die Warnung zu einem wichtigen Zeitpunkt. Das niederländische Cybersicherheitsgesetz trat am 15. August 2026 in Kraft.. Damit wurde die europäische NIS2-Richtlinie in den Niederlanden umgesetzt.

Für Organisationen, die dem Cybersecurity Act unterliegen, gelten besondere Verpflichtungen in Bezug auf digitale Resilienz, Risikomanagement, Governance und die Meldung bestimmter Cybervorfälle.

Weitere Informationen hierzu erhalten Sie über Digitale Regierung und die Nationales Zentrum für Cybersicherheit.

Allerdings können auch Unternehmen betroffen sein, die nicht direkt unter das Gesetz fallen. Organisationen stellen immer höhere Anforderungen an die Cybersicherheit ihrer Lieferanten und Partner in der Lieferkette. Schließlich kann ein Angreifer versuchen, sich über einen relativ kleinen Lieferanten Zugang zu einem größeren Unternehmen zu verschaffen.

Fangen Sie mit den Grundlagen an, nicht mit teurer KI-Sicherheit.

Die Warnung bedeutet nicht, dass jedes Unternehmen sofort neue und teure KI-Sicherheitssoftware kaufen muss.

Im Gegenteil. Ein Großteil der digitalen Resilienz beginnt immer noch mit den Grundlagen: aktueller Software, gutem Patch-Management, Multifaktor-Authentifizierung, sicheren Datensicherungen, eingeschränkten Zugriffsrechten, Überwachung, guten Verfahren und Mitarbeitern, die verdächtige Situationen erkennen und melden.

KI verändert vor allem die Geschwindigkeit, mit der Schwachstellen gefunden und ausgenutzt werden können.

Eine heute bekannt werdende Sicherheitslücke kann innerhalb kurzer Zeit in einer Vielzahl von Organisationen automatisch getestet werden. Daher ist es nicht nur wichtig oder Ein Unternehmen führt Sicherheitsupdates durch, aber insbesondere wie schnell das Unternehmen in der Lage ist, kritische Schwachstellen zu beheben.

Warten Sie nicht auf den ersten Cyberangriff.

Die gemeinsame Warnung von AIVD, MIVD, NCSC, NCTV, Staatsanwaltschaft, Chief Information Officer der Zentralregierung und der Nationalpolizei zeigt, dass die Entwicklung von KI praktisch für jede Organisation, die auf digitale Systeme angewiesen ist, Konsequenzen hat.

Die Geschäftsführung muss wissen, welchen digitalen Risiken ihr Unternehmen ausgesetzt ist, welche Maßnahmen dagegen ergriffen wurden und was passiert, wenn diese Maßnahmen verletzt werden.

Cybersicherheit ist daher kein rein technisches Thema, das allein der IT überlassen werden kann. Sie berührt unmittelbar … Geschäftskontinuität, Reputation, finanzielle Risiken und Managementverantwortung.

KI verschafft Angreifern dabei einen wichtigen Vorteil: Geschwindigkeit.

Die wichtigste Frage für Führungskräfte ist daher nicht, ob KI die Cyberbedrohung verändert, sondern ob sich ihre Organisation schnell genug verändert, um mit dieser neuen Bedrohung Schritt halten zu können.